Rathaus 2016 Foto privat

    Rathaus

    250 Jahre Nackenheimer Rathaus

    Rathaus vor 1911 Die Kirche trägt noch den Dachreiter Foto privatZur Geschichte des Nackenheimer Rathauses Bis ins 15. Jahrhundert fanden in "Nackenheim" Amtshandlungen des Dorfgerichts und der Ortsverwaltung im Freien statt unter einem Baum im Fronhof des Mainzer St. Stephanstifts, das die Ortsherrschaft besaß. Im 16. Jahrhundert wurde auf dem Stiftsgelände ein Rathaus gebaut, vor dem die Erbhuldigung für den neuen Ortsherren, den Mainzer Kurfürsten, im Jahre 1616 von den Einwohnern des "Fleckens Nackenheim" geleistet wurde. Dieses alte Rathaus mußte 1751 einem Fachwerk-Neubau weichen. Im oberen Stockwerk waren ein Raum für das Ortsgericht und ein Beratungszimmer untergebracht. Im Erdgeschoß befand sich ein Feuerlöschgeräteraum mit den ledernen Löscheimem und die Gerätschaften des Eichmeisters, der die Weinfässer nachmessen und mit Brandzeichen eichen mußte. Daneben war eine Arrestzelle, im Volksmund "Kittje" genannt, in der auf kurze Zeit Missetäter einsitzen mußten. Als erster Schultheiß amtierte Paul Kertz (1749 - 63) in dem neuen Rathaus. 1792, nach dem Einmarsch der französischen Revolutionsarmee, war im Rathaus eine Kommandantur unter dem Bürgergeneral Daniel Stamm eingezogen. 1793 wählte die Bürgerschaft an Stelle des Schultheißen Johannes Herd zum "Maire" den Ortspfarrer Dr. Karl Melchior Arand. Während der kurzen Besatzungszeit im Jahre 1796 setzten die Franzosen Wilhelm Jans als "Agent municipal" ein. Ab 1797, als Nackenheim auf 17 Jahre zu Frankreich gehörte, amtierte im Rathaus nur ein Adjunkt; der Maire saß in Bodenheim. Diese Verwaltungsregelung als Doppelgemeinde behielt auch das Großherzogtum Hessen ab 1816 bei. Der Bodenheimer Bürgermeister war auch für Nackenheim zuständig.

    Rathaus Zeichnung Hans Knußmann Foto privat1822 bekam Nackenheim eine eigenständige "Großherzogliche Hessische Bürgermeisterei" unter dem Bürgermeister Johann Schneider (l 822/31). Über dem Rathausportal mit Ortswappen und der Jahreszahl 1751 war eine Nische, in der vermutlich einmal die Statue des Ortspatrons St. Stephan stand, seit der französischen Revolution verwaist. Erst 1931 wurde dort auf Antrag des Ratsmitgliedes Dr. Franz Usinger eine Madonnenfigur "Friedenskönigin Maria" zur "Danksagung für die Rheinlandbefreiung" aufgestellt. Unter der Naziherrschaft mußte die Figur entfernt werden, bis sie 1945 nach Kriegsende wieder ihren Platz einnehmen konnte. 1937 wurde das Rathaus renoviert und besonders im Erdgeschoß umgestaltet. 1951 wurde eine Dachgaube eingebaut. Seit 1972 werden wesentliche Verwaltungsaufgaben von der Verbandsgemeindeverwaltung in Bodenheim wahrgenommen. Das Rathaus ist Amtssitz des Ortsbürgermeisters.
    Werner Lang


    Renovierung des Rathauses

    Rathaus Nackenheim 1932 Foto privatDas Nackenheimer Rathaus wurde 1751 auf stiftseigenem Grundstück des St. Stefans-Stiftes von Mainz mit Unterstützung des damaligen Pfarrers fertiggestellt. Das Gebäude wurde anfangs von dem Ortsgericht unter dem Schultheißen und einer einklassigen Pfarrschule genutzt. 1792 war in dem Gebäude die Kommandostelle der französischen Armee untergebracht. 1822 wurde durch das Großherzogtum Hessen eine eigene Bürgermeisterei im Rathaus eingesetzt.
    Im Jahre 1935 wurde das Rathaus grundlegend umgebaut, u. a. wurde das Portal in die heutige Mitte des Gebäudes versetzt. Weitere Renovierungen erfolgten in den Jahren 1950 -1951 zur 200-Jahrfeier des Rathauses. Die letzten Instandsetzungen erfolgten in den Jahren 1962 und 1980.
    Im Rahmen einer Besprechung im November 1992 wurden erhebliche Schäden an Deckenbalken durch Würfelbruch festgestellt, die sofort im Dezember 1992 zu einer ersten Schadensanalyse führten, die diese Schäden bestätigte. Gemeinsam mit der Gemeinde Nackenheim, der Denkmalpflege und dem beauftragten Statiker wurde eine weitergehende umfangreiche bauliche Untersuchung vereinbart mit dem Ziel, eine denkmalgerechten Instandsetzung für das Rathaus zu planen. Dazu gehörte auch ein verformungsgerechtes Bauaufmaß. Diese wichtigen Voruntersuchungen waren für eine detaillierte Ausschreibung notwendig um eine für die Gemeinde kalkulierbare Instandsetzung zu beginnen. In ständiger Abstimmung mit der Gemeinde, dem Statiker, den beauftragten Handwerkern und der Denkmalpflege wurde mit den Instandsetzungsarbeiten im November 1994 begonnen. Eine herausragende Leistung war, während des zimmermannsmäßigen Austausches der Fachwerkwände die gesamte Dachkonstruktion inkl. Dacheindeckung auf dem Gebäude als Schutz zu belassen. Bei der Sanierung wurde darauf Wert gelegt, dass traditionelle handwerkliche Techniken und die Grundsätze des ökologischen Bauens zur Anwendung kamen.

    Die weiteren handwerklichen Arbeiten umfassten vor allem folgende Gewerke:
    - Lehmbau mit Lehmsteinen
    - Anstrich der Hölzer mit pigmentiertem Leinöl
    - ein auf die Lehmwand abgestimmtes Heizungssystem
    - Isolierungen mit Schilfrohr und Dämmsystem mit Altpapier

    Ulrich Herborn hat als Kreisdenkmalpfleger von 1993 bis 1998 die Gemeinde bei der Renovierung des Rathauses unterstützt.