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Carl-Zuckmayer-Ausstellungim Ortsmuseum |
Die Carl-Zuckmayer-Gesellschaft e.V.
Mainz wurde 1972 in Nackenheim gegründet. Ihr Ziel ist die Erforschung
und Förderung insbesondere des Werkes von Carl Zuckmayer. Dazu gehören
vor allem folgende Aktivitäten:
- Herausgabe des Jahrbuches der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft
- Aufführung vor allem mundartlicher Bühnenstücke durch ein eigenes
Spielensemble
- Veröffentlichungen, Lesungen, Rezitationsabende, literarische Vorträge
Anschrift:
Carl-Zuckmayer-Gesellschaft
Postfach 33
55297 Nackenheim
Telefon/Fax: 06135/8538
Telefonisch erreichbar: Dienstags von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 17 bis
19 Uhr
www.carl-zuckmayer.de
Freilichtaufführungen der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft
2005
im Garten des Weingutes Gunderloch
Der neue Terminplan erscheint Anfang Januar 2005!
Die spanische Fliege
26.05.
27.05.
28.05.
02.06.
03.06.
04.06.
09.06.
10.06.
11.06.
Carl Zuckmayer und seine rheinhessische Heimat
17.06.
Lesung mit Henning Westphal,
"Eine Liebesgeschichte" von Carl Zuckmayer
18.06.
Der fröhliche Weinberg
30.06.
01.07.
02.07.
07.07.
08.07.
09.07.
Zuckmayer im Weltraum
Einer von tausenden Kleinplaneten in unserem Sonnensystem ist nach Carl Zuckmayer benannt. Nr. 8058 wurde am 16.10.1977 von C. J. van Houten und Ingrid van Houten Groeneveld auf Palomar Mountain in Kalifornien entdeckt und nach Carl Zuckmayer benannt.
Kleine Planeten oder Planetoiden, zu denen Zuckmayer gehört, sind Überreste bei der Entstehung unseres Sonnensystems. In den Bereichen um die Sonne, in denen sich die Mehrzahl der kleinen Planeten auch jetzt noch befindet, sind sie auch entstanden (vor etwa 5 Milliarden Jahren). In diesen Bereichen des Sonnennebels hatte die Menge des für die Bildung fester Körper verfügbaren Materials nicht einen einzigen großen Körper, sondern eine Vielzahl kleiner Körper gebildet. Die meisten der bekannten kleinen Planeten bewegen sich im Abstandsbereich von der Sonne von 2.2 AE bis 3.2 AE, dem Planetoidengürtel, rechtläufig (also im Uhrzeigersinn) um die Sonne. Die Umlaufszeiten liegen zwischen 3.2 Jahren und 5.8 Jahren. Die kleinen Planeten bewegen sich auf elliptischen Bahnen, deshalb schwankt der Abstand Zuckmayer - Sonne.
AE = Astronomische Einheit. 1 AE = mittlere Entfernung Erde - Sonne = 149.6 Millionen Kilometer.
Die Durchmesser der kleinen Planeten sind generell unter 1.000 Kilometer, die weitaus meisten haben Durchmesser von unter 50 Kilometer. Die Gesamtzahl der kleinen Planeten kann man mit mehreren Millionen angeben einschließlich der Objekte mit Durchmessern bis zu einigen hundert Meter. Entdeckt und nummeriert wurden bisher etwa 70.000. Der erste kleine Planet, (1) Ceres, wurde am 1.1.1801 von Giuseppe Piazzi in Palermo (Sizilien, Italien) entdeckt und nach der römischen Göttin des pflanzlichen Wachstums benannt. Der Durchmesser von (1) Ceres ist knapp unter 1.000 Kilometer. Zum Vergleich: Der Durchmesser des Erdmonds ist 3.476 Kilometer.
(8058) Zuckmayer (8058 ist die laufende Nummer, die man dem kleinen Kerl zugeteilt hat) wurde am 16.10.1977 von C. J. van Houten und Ingrid van Houten-Groeneveld auf Palomar Mountain (California, USA) entdeckt. Benannt wurde er nach dem aus Nackenheim stammenden Dramatiker und Schriftsteller Carl Zuckmayer (1896-1977) (Minor Planet Circular 34345).
Der kleine Planet Zuckmayer ist nicht rund, sondern kartoffelförmig. Seine Oberfläche dürfte kraterübersät sein, weil immer wieder kleinere Gesteinsbrocken auf seine Oberfläche gestürzt sind. Die Planetoiden haben keine schützende Atmosphäre.
Angaben zu den Entdeckern:
C. J. van Houten hat 602 kleine Planeten entdeckt (von 1960 bis 1977) und Ingrid van Houten-Groeneveld von der Sternwarte Leiden (Niederlande) hat 600 kleine Planeten entdeckt (von 1955 bis 1977).
Literatur
Lutz D. Schmadel: Dictionary of Minor Planet Names, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York
Verfasser dieses Artikels:
Gunter Cibis, Rubensweg 9, 72622 Nürtingen
Mehr Informationen hierüber erhalten Sie bei:
http://wiche.de/astro-mainz/mzimall/welcome.html
Carl Zuckmayer und die Nackenheimer
Am 27. Dezember 1896, es war ein sehr kalter Wintertag, wurde Carl Zuckmayer in Nackenheim geboren. Sein Vater besaß hier eine Fabrik für Flaschenkapseln, die es heute noch gibt. Obwohl die Familie vier Jahre später nach Mainz verzog, hatte Carl Zuckmayer zeit seines Lebens eine besondere Beziehung zu seiner Geburtsgemeinde.
Der rheinhessische Wein, insbesondere der Nackenheimer, ist einer der Gründe für diese Beziehung. Carl Zuckmayer war ein Weinkenner und Weingenießer. So schrieb er einmal in den Jahren als er von der Hand in den Mund leben musste in einem Berliner Restaurant auf den Rand der Weinkarte: "Karte mit Verstand gelesen, ist so gut wie voll gewesen." Seine Zuwendung zum Wein der Heimat wird auch in seinem Gedicht "Weinblume" deutlich, das beginnt mit: "Viel reicher als der Rosen Elixier, viel voller als die Wolke aus Importen, viel heilger als Weihrauch duftet mir, die Blume Wein von edlen Heimatsorten." Gleichfalls findet sich darin der Ausruf: "Rheinhessen: tönende Hügel, fröhliches Nackenheim!"1
Die Beziehung zu den Menschen seiner Heimat war dagegen jahrzehntelang gestört. Den Durchbruch als Bühnenautor schaffte Carl Zuckmayer am 22. Dezember 1925 als sein Werk "Der fröhliche Weinberg" im Berliner Theater am Schiffbauerdamm zum erstenmal aufgeführt wurde.. Während die Theaterkritik begeistert das Ende des Expressionismus feierte, gab es auch Proteste. Korpsstudenten fühlten sich in ihrer Würde verletzt, soldatische und nationale Kreise wähnten sich angegriffen.
Auch die Nackenheimer protestierten. Besonders betroffen war der honorige alte Weingutsbesitzer Carl Gunderloch, dessen einprägsamer Name in diesem Lustspiel verwendet worden war. Zuckmayer schreibt in seinen Erinnerungen dazu: "Ich selbst glaubte in meinem erfundenen Gunderloch einen Mann hingestellt zu haben, über dessen Namensvetternschaft sich kein Deutscher kränken könne. Aber der alte Herr, dem man von allen Seiten zutrug, dass er in einem 'schweinischen Stück' vorkomme, und der tatsächlich glaubte, er sei 'gemeint', kränkte sich. Er regte sich so sehr darüber auf, dass er gesundheitlichen Schaden nahm. Mir war das, als ich es erfuhr, ehrlich leid, nie hatte ich derartiges vermutet, aber ich konnte es nun auch nicht ändern. Ich musste den Zorn und die Empörung meiner Heimat auf mich nehmen."2
Jedenfalls erlebte Mainz bei der Aufführung des Fröhlichen Weinbergs am 10. März 1926 eine machtvolle Demonstration mit Dreschflegeln, Mistgabeln und dem größten Polizeieinsatz seit dem Besuch des Zaren. Trotz der Sicherheitsmaßnahmen gelang es den protestierenden Nackenheimern mehrere Stinkbomben im Zuschauerraum des Theaters zu werfen. Es ging ihnen dabei nicht um die Beschmutzung nationaler Ehre und studentischer Tugend. Nein, die Darstellung ihrer Gemeinde und ihrer ländlichen Umgebung in der Form von derben Gestalten, die unmoralisches im Schilde führten, das gefiel den meisten Nackenheimern nicht. Hinzu kam, dass sich auch die Nackenheimer in den Zwanziger Jahren modern gebährden wollten. Die Darstellung von Misthaufen und fehlenden Toilettenanlagen wurde deshalb empört zurückgewiesen. Die Kritik gipfelte in der Formulierung eines Spruchbandes "Carlche komm nach Nackenheim, Du sollst uns hoch willkommen sein! Wir schlagen krumm und lahm dich all und sperrn Dich in de Schweinestall, denn da gehörste hi'!"3
Eine Wende in den Beziehungen gab es erste einige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Vorhergegangen war der weitere Aufstieg des Dichters, das Aufführungsverbot im Dritten Reich und seine Emigration. Nackenheim ernannte 1952 Carl Zuckmayer zum Ehrenbürger. Zuckmayer war seit langem zum erstenmal wieder in seinem Geburtsort. Der Urenkel des Weingutsbesitzers Gunderloch reichte ihm die Hand zur Versöhnung. Während es für manche ein bewegendes Wiedersehen war, gab es bei anderen weiterhin Distanz. So äußerte ein alter Mann, der früher Prokurist in der Zuckmayerschen Kapselfabrik war, sein Desinteresse an einer Begegnung mit dem Carlche und fügte hinzu: "Dem habe ich oft genug den Hinnern versohlt." Als Zuckmayer jedoch die Straße entlang kam und ihn oben im ersten Stock am Fenster erblickte, sprach er ihn mit seinem Namen an. Da schmolz das Eis und die Rührung übermannte den bisherigen Kritiker.4 So traf Zuckmayers Formulierung "Die Welt wird nie gut, aber sie könnte besser werden" auf diese Entwicklung zu.
Zwanzig Jahre später wurde die Grundschule in Nackenheim nach Zuckmayer benannt. Die offizielle Namensgebung erfolgte in Anwesenheit des Ehepaares Zuckmayer. In den sechziger und siebziger Jahren kam es zu einer Vielzahl von Begegnungen Nackenheimer Bürger mit dem großen Sohn ihrer Gemeinde. Zuletzt war dies an seinem 80. Geburtstag. Kurz danach erkrankte Carl Zuckmayer und starb am 18. Januar.1977. Auf seinem Grab in Saas Fee in der Schweiz liegt auch ein Stein vom Nackenheimer Rotenberg.
Ein Denkmal setzten die Nackenheimer ihrem Ehrenbürger wenige Jahre später. Eine Büste Carl Zuckmayers, ein gegenständliches Werk der später international anerkannten Künstlerin Ursula Bertram, fand ihren Platz an der Fassade des Rathauses. Finanziert wurde das Kunstwerk im wesentlichen aus Erlösen, die die Junge Union aus dem Weinverkauf beim Nackenheimer Weinfest erwirtschaftet hatte. Die feierliche Enthüllung erfolgte in Anwesenheiter seiner Witwe, Alice Herdan-Zuckmayer und war verbunden mit einer Aufführung des Fröhlichen Weinbergs durch das Ensemble der Carl-Zuckmayer-Gesellschaft. Ein lebendiges Denkmal sind diese jährlichen Aufführungen, die im Jubiläumsjahr stilgerecht und beziehungsvoll im Garten des Weingutes Gunderloch stattfinden.
Autor: Bardo Kraus
Veröffentlicht im Heimatjahrbuch 1996 des Landkreises Mainz-Bingen, Verlag
Dr. Gebhardt+Hilden GmbH, Hohlstraße 14-18, 557343 Idar-Oberstein
Quellenangaben:
1 Carl Zuckmayer, Gedichte, Frankfurt a. M., Fischer Taschenbuch Verlag, 1976,
S. 16
(Aus der Gedichtsammlung "Der Baum", Erste Buchausgabe: Berlin, Propyläen
Verlag 1926)
2 Carl Zuckmayer, "Als wär's ein Stück von mir", Frankfurt
a.M., S. Fischer, 1966, S. 468
3 Carl Zuckmayer, a.a.O., S. 469
4 Berichtet von Ottmar Jung, Chronist Nackenheimer Begebenheiten
1925 in Berlin:
Die Uraufführung von Zuckmayers "Der fröhliche Weinberg"
"Und dann kam die Premiere.
Das wundervolle alte, kluge Berliner Publikum saß unten, und jede Pointe
kam an, und es prasselten die Beifallsstürme. Und immer wieder Applaus.
Und Du, Zuck, standest in der Kulisse, hattest den Feuerwehrmann im Arm, hattest
seinen Helm auf, eine Flasche »Nackenheimer« im Arm, und strahltest
und schriest begeistert »Herrgott, die Leute verlachen mit die ganzen
Pointen«..." Mit diesen Worten beschreibt Käte Haack den Erfolg
der Uraufführung des Lustspiels "Der fröhliche Weinberg"
von Carl Zuckmayer am 22. Dezember 1925 im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin'.
Zuckmayer selbst schildert das Ereignis in seinen Memoiren "Als wär's
ein Stück von mir" mit folgenden Worten- "Ich blieb die ganze
Vorstellung hindurch hinter der Bühne und sprach - amüsierte Beobachter
erzählten es mir später - jedes Wort auf lautlosen Lippen mit. Nach
den ersten Sätzen bereits kam ein Ton aus dem Zuschauerraum, der mir durch
Mark und Bein ging, es war wie das Knurren einer hungrigen Bestie und schwoll
jählings zu einem schrillen, geltenden Gewieher wie von tausend Teufeln.
Gleich darauf knatterte und pladderte es, als prassele ein Gewitterschauer auf
ein Blechdach herunter. Bruck, der Regisseur, stand plötzlich neben mir
und kniff mich wie ein Krebs in den Arm. »Lachsalven!«, flüsterte
er, »Szenenapplaus!«." 2 Carl Zuckmayer schließt seine
ausführliche Darstellung, auch der folgenden Premierenfeier, mit dem Satz-
"Jetzt konnte die Arbeit beginnen !"3 Hatte er vorher nicht literarisch
gearbeitet? Schon seit seiner Schülerzeit befasste sich Carl Zuckmayer
mit der Dichtung. Als ältestes Zeugnis dieses Strebens gilt sein Gedicht
über den Hundescherer Matthias Leisen, das ihm bei seinen Mitschülern
große Anerkennung einbrachte. Während seiner Soldatenzeit an der
Westfront wurden erstmals Texte von ihm veröffentlicht. Nach dem Ende des
Ersten Weltkrieges studierte er eine Zeit lang, beteiligte sich an einem linken
Zeitungsprojekt und verfasste expressionistische Gedichte und Stücke. Sein
erstes Drama "Kreuzweg", ein ganz dem Expressionismus verhaftetes
Stück, am 10. Dezember 1920 in Berlin uraufgeführt, war ein glatter
Reinfall. Es wurde von seinem Freund Ludwig Berger wie folgt beschrieben- "Kreuzweg
hieß es und spielte zwischen dem Mond und der Nackenheimer roten Erde,
wo der gute Rheinwein herkommt." Es führt also eine deutliche Linie
hin zu dem Stück, mit dem Carl Zuckmayer fünf Jahre später den
Durchbruch erzielte. Im "Fröhlichen Weinberg" war die Handlung
von der Mondnähe herunter auf die Nackenheimer rote Erde geholt worden.
Bis dahin hatte der junge Literat aber noch eine große Durststrecke hinter
sich zu bringen. Neben kurzfristigen Tätigkeiten als Dramaturg an den Städtischen
Bühnen Kiel und am Deutschen Theater in Berlin schlug er sich mit Gelegenheitsarbeiten,
z.B. als Schlepper für illegale Nachtlokale durch. Nachdem auch sein zweites
Stück, "Pankraz erwacht oder die Hinterwäldler" nicht den
erstrebten Erfolg brachte, nahm Carl Zuckmayer das Angebot eines Vetters seiner
Mutter, Dr. Ernst Goldschmidt an und zog sich im Sommer 1925 für einige
Zeit in ein von diesem angemietetes ritterburgartiges Schloss am Wannsee
zurück.
Zuckmayer hatte zwei Stoffe im Kopf, einen tragischen nach einer Erzählung
von Regina Ullmann, und einen heiteren, den er sich als "lyrisches Lustspiel"
dachte, in seiner Heimat angesiedelt. Er entschied sich für das Lustspiel
und begründet dies wie folgt- "Zum erstenmal seit den Kriegsjahren
erfüllte mich wieder ungetrübte Heiterkeit, und mit ihr war das Band
zur Landschaft, zur Melodie und Welt meiner Jugendzeit aufs engste verknüpft.
" 4 . Das Stück war eine radikale Abkehr von seinem bisherigen Werk.
Von der Theaterkritik wurde es begeistert als das Ende des Expressionismus gefeiert.
Noch vor der ersten Aufführung erhielt Zuckmayer den renommierten Kleistpreis
verliehen. Hundert Bühnen spielten in diesen Jahren den "Fröhlichen
Weinberg". Die Arbeit, mit der Carl Zuckmayer nun begann, brachte weitere
Erfolge, an der Spitze die Schauspiele "Der Schinderhannes" und "Der
Hauptmann von Köpenick".
Von Anfang an gab es aber auch Proteste. Korpsstudenten fühlten sich in
ihrer Würde verletzt, soldatische und nationale Kreise wähnten sich
angegriffen. Insgesamt sind 63 Theaterskandale verzeichnet. Auch die Nackenheimer
protestierten. Besonders betroffen war der honorige Weingutsbesitzer Carl Gunderloch,
dessen einprägsamer Name in diesem Lustspiel verwendet worden war. Zuckmayer
schreibt in seinen Erinnerungen dazu- "ich selbst glaubte, in meinem erfundenen
Gunderloch einen Mann hingestellt zu haben, über dessen Namensvetternschaft
sich kein Deutscher kränken könne. Aber der alte Herr, dem man von
allen Seiten zutrug, dass er in einem »schweinischen Stück«
vorkomme, und der tatsächlich glaubte, er sei »gemeint«, kränkte
sich. Er regte sich so sehr darüber auf, dass er gesundheitlichen
Schaden nahm. Mir war das, als ich es erfuhr, ehrlich leid, nie hatte ich derartiges
vermutet, aber ich konnte es nun auch nicht ändern. Ich musste den
Zorn und die Empörung meiner Heimat auf mich nehmen. "5
Es ging den Nackenheimern bei ihrer Ablehnung nicht um die Beschmutzung nationaler
Ehre und studentischer Tugend. Nein, die Darstellung ihrer Gemeinde und ihrer
ländlichen
Umgebung in der Form von derben Gestalten, die Unmoralisches im Schilde führten,
das gefiel den meisten Nackenheimern nicht. Hinzu kam, daß sich auch die
Nackenheimer in den zwanziger Jahren modern gebärden wollten. Die Darstellung
von Misthaufen und fehlenden Toilettenanlagen wurde deshalb empört zurückgewiesen.
So nutzten sie eine große Bauerndemonstration, die am Tag der Mainzer
Premiere stattfand, um ihre Verärgerung mit Parolen wie folgender kund
zu tun: "Carlche komm nach Nackenheim, Du sollst uns hoch willkommen sein!
Wir schlagen krumm und lahm dich all und sperrn dich in de Schweinestall, denn
do gehörst de hi' !"6 Eine großes Polizeiaufgebot war nötig,
um das Theater von den Demonstranten abzuschirmen.
Eine Wende in den Beziehungen gab es erst einige Jahre nach dem Ende des Zweiten
Weltkrieges. Die Initiative eines von drei Bürgern gegründeten Zuckmayer-Kreises
führte dazu, daß Carl Zuckmayer 1952 zum Ehrenbürger seiner
Heimatgemeinde ernannt wurde. Die Nachkommen des Weingutsbesitzers Gunderloch
reichten ihm die Hand zur Versöhnung. Der "Fröhliche Weinberg"
wurde nicht nur akzeptiert, der Begriff avancierte in den folgenden Jahren zu
einem Markenzeichen für Nackenheim. Im Ortsmuseum der Gemeinde ist diese
Entwickung in sehr anschaulicher Weise dokumentiert.
Der fröhliche Weinberg findet immer wieder seinen Weg auf die deutschen
Bühnen. Die Carl Zuckmayer-Gesellschaft führt mit ihrem Ensemble seit
ihrem Gründungsjahr 1972 regelmäßig dieses Lustspiel auf. Heute
finden die Freilichtaufführungen stilgerecht und beziehungsreich im Garten
des Weingutes Gunderloch statt. In den letzten Jahrzehnten verkörperten
den Weingutsbesitzer Jean-Baptist Gunderloch sicherlich am erfolgreichsten der
bekannte Schauspieler Günther Strack und der Nackenheimer Willi Weiner,
der diese Rolle zwei Jahrzehnte spielte und auch für Strack eingesprungen
war.
Das Gedenken an den 1 00 Geburtstag von Carl Zuckmayer, das 1996 begangen wurde,
hat das Interesse an seinem Werk und damit auch am Fröhlichen Weinberg
wieder stärker werden lassen. Die Carl Zuckmayer-Gesellschaft und Zuckmayers
Geburtsort Nackenheim erreichen vermehrt Anfragen zu Details des Stückes,
insbesondere zu den Melodien der Lieder, die in die Handlung eingeflochten und
in manchen Szenen ihr wesentlicher Bestandteil sind. Mit dem fröhlichen
Weinberg begann der Erfolg von Carl Zuckmayer. Er wird weiter die Erinnerung
an diesen großen Dichter und Dramatiker aufrecht erhalten.
Autor: Bardo Kraus
Veröffentlicht im Heimatjahrbuch 2000 des Landkreises Mainz-Bingen, Verlag
Dr. Gebhardt+Hilden GmbH, Hohlstraße 14-18, 557343 Idar-Oberstein
1) Käte Haack in "Festschrift für Carl Zuckmayer", Krach, Mainz, 1976
2) Carl Zuckmayer, "Als wär's ein Stück von mir", S. Fischer, Frankfurt a.M., 1966 S. 460
3) Carl Zuckmayer, a.a.O., S. 463
4) Carl Zuckmayer, a.a.O., S. 450
5) Carl Zuckmayer, a.a.O., S. 468
6) Carl Zuckmayer, a.a.O., S. 469